Run for Hope / Via Alpina / Elm – Weisstannental

Elm – Foopass – Alp Walabütz

Ganz kurzes Briefing, bevor Brigitte und ich nach weniger als 30 Minuten Pause, um 14:30 Uhr Elm wieder verlassen:

  • Wo sehen wir die Betreuer wieder? – Alp Walabütz im Weisstannental
  • Wie weit ist es bis dort? – ca. 15km
  • Wie lange benötigen wir? – 4 – 5  Stunden (Ankunft ca. 18:30 Uhr bis 19:00 Uhr)
  • Passübergang? – Foopass 2223 müM, Aufstieg ca. 1260Hm

Zu zweit auf den Weg zum letzten Pass

Anja fehlt uns schon ein wenig und bei mir kommt etwas Wehmut auf, dass auch für mich das Abenteuer bald endgültig vorbei ist. Ich kommuniziere meine Verlängerung noch kurz an Silvia zu Hause. Sie versteht die Situation und ich bin froh um die Unterstützung.

Der Aufstieg erfolgt am Anfang auf Asphaltstrassen und Forststrassen. Nicht allzu steil und gut zu gehen. Wir marschieren nebeneinander in stetigem Tempo ohne zu forcieren.  Ein paar Wanderer kommen uns abwärts entgegen. Ansonsten wird es immer ruhiger, je höher wir kommen.

Wir sprechen über das Projekt, über unsere Berufe und dass wir gerade die Nordseite des Piz Segnas passieren, auf dessen Südseite vor ein paar Wochen die Ju 52 abgestürzt ist. Gestern ist ein Schwesterflugzeug an uns vorbeigeflogen und hat uns fasziniert zum Himmel blicken lassen.

Aufstieg zum letzten Pass, dem Foopass

Es ist ein friedlicher Sonntag Abend und wir nähern uns langsam dem Foopass. Nach vielen Stunden im „hier und jetzt“ schweifen meine Gedanken langsam wieder in die Zukunft: Auf den Pass, dann der letzte Downhill, Abschied von Brigitte, mit dem Auto nach Sargans, mit dem Zug nach Hause, auspacken, waschen, duschen, schlafen und am Morgen dann ins Geschäft. – Ich bin mir bereits jetzt sicher, dass mich in der neuen Woche eine Art Via Alpina-Blues befallen wird. Ein wehmütiges zurückdenken an dieses spezielle, anspruchsvolle, wunderschöne Wochenende hier draussen in den Bergen.

Ich frage Brigitte nach ihren zukünftigen Zielen. – Sie meint es gibt in England dieses 1000 Kilometer-Rennen geben (Monarch’s Way Ultra). – Unglaublich, dass sie in diesem Moment noch an solche Sachen denken kann.

Die letzten Höhenmeter bis zum Foopass

Um 17:00 Uhr haben wir die Passhöhe erreicht. Kurze Rast. Brigitte fragt mich, wie weit es noch bis Vaduz ist. Ich komme auf gut 40 Kilometer. Praktisch ein ganzer Marathon. Sie scheint etwas konsterniert ob dieser Zahl. Es wird wohl gegen Mitternacht werden, bis sie Vaduz erreichen wird.

Foopass 2223m – Brigitte hat den letzten Pass zwischen Montreux und Vaduz erreicht

Wir machen uns an den Abstieg. Rund 850 Höhenmeter zur Alp Walabütz, wo Karin und Andrea warten. Anfangs geht es recht gut. Dann wird es aber immer technischer.

Ich sehe mein zweites Murmeltier an diesem Wochenende. Es fühlt sich am Sonntag Abend  durch uns gestört und pfeift uns gehörig an.

Wunderschöne Landschaft mit Murmeltier in der Bildmitte (ca. 3m links vom weiss/roten Pfosten)

Am Schluss ist es dann praktisch eine Geröllhalde, welche wir runtersteigen. Ich bewundere wieder mal die Geduld von Brigitte (und vorher auch Anja). Egal wie schlecht der Trail war, nie gab es ein schlechtes Wort oder eine Beschwerde darüber. Sie haben einfach genommen, was gekommen ist und ihr Ding durchgezogen.

Letzter „Scherben“-Downhill zur Alp Walabütz

Um 18:30 Uhr kommen wir bei der Alp Walabütz an. Karin und Andrea konnten uns wegen fehlendem Tracker-Empfang nicht verfolgen und sind erstaunt, dass wir schon da sind. Wir setzen uns kurz in die Alpwirtschaft, besprechen das weitere Vorgehen und trinken etwas.

Mein Job ist nun vorüber und ich bekomme ebenfalls die „Salzbretzel am schwarzen Band“ verliehen. Meine Uhr stoppt bei 162 Kilometer, welcher ich seit Freitag Nachmittag in gut 51 Stunden zurückgelegt habe. Zwar kein schnelles Rennen, dafür bin ich aber auch nicht total zerstört. Einfach müde, sehr glücklich und dankbar.

Medaillenübergabe nach 162km durch Andrea Huser

Karin begleitet Brigitte ab hier mit dem Velo. Ich stelle Brigittes Auto nach Vaduz und Andrea holt mich dort wieder ab und bringt mich zum Bahnhof Sargans. – Im Zug geht es zurück nach Hause, wo ich vor 23:00 Uhr eintreffe. Auspacken, waschen, duschen. Über Tracker und Facebook verfolge ich gespannt den Finish von Brigitte.

Brigittes Finish

Vorbereitung auf den Endspurt

Im Weisstannental

Brigitte alleine durch die Nacht nach Vaduz

Karin, Brigitte und Andrea um 23:20 Uhr glücklich im Ziel in Vaduz

Fazit

Es ist schwierig, dieses Wochenende in Worte zu fassen. – Irgendwie bin ich da reingerutscht und dann hat alles auf einmal eine unglaubliche positive Dynamik bekommen. Es gab diesen übergeordneten sinnvollen Zweck des Spendenlaufs. Es gab dieses grosse Ziel, Brigitte von Montreux nach Vaduz zu bringen. Den Rest machten die tollen Personen aus, welche alle ihre Fähigkeiten und Ressourcen selbstlos kombiniert haben, um das Ziel schlussendlich zu erreichen. Niemand hat sein Ego in den Vordergrund gestellt. Alle haben im Sinne des Ziels zusammengearbeitet. – Ich habe mich unzählige Male gefragt, wieso ausgerechnet ich das erleben durfte und fühlte mich sehr privilegiert. Herzlichen Dank, dass ich dabei sein durfte!

Schon als ich nach Grindelwald gereist bin, hatte ich das Gefühl, die „All-in“-Einstellung könnte wieder mal da sein. Diese braucht es um bis  Kilometer 100 und darüber hinaus zu laufen. Diese Einstellung hat mir das ganze Jahr und grosse Teile des Vorjahrs gefehlt und es war toll, dieses Gefühl wieder mal zu erleben.

Ich hatte Respekt vor dem laufen in der Gruppe. Dank Brigitte, Anja und Anni wurde dies aber zu einer positiven Erfahrung und selbst ein Einzelgänger wie ich muss eingestehen, dass ein eingespieltes Team immer stärker ist.

Supporter zu haben bin ich mir ebenfalls nicht gewohnt. Ich habe mich aber schnell an den Vollservice von Karin und Andrea gewöhnt. Ohne sie wäre eine solche Leistung unmöglich. Sie haben für uns alles vorbereitet, sie haben endlos auf uns gewartet und sie haben nach uns aufgeräumt. Vielen lieben Dank, ihr seid fantastisch.

 

Wie geht es weiter?

Eine Woche Via Alpina-Blues habe ich inzwischen hinter mir und ich bin wieder im richtigen Leben drin. Ich will versuchen, das Via Alpina-Projekt als Vorbild für Team-Spirit im Unternehmen zu nutzen.

Sportlich habe ich mich für den Halbmarathon in Luzern Ende Oktober angemeldet. Auf den Marathon habe ich keine Lust. Ich hoffe aber ich kann gemeinsam mit Gertrud, Pius und Markus hinfahren und vielleicht gehen wir nach dem Lauf gemeinsam gemütlich Essen, statt nach dem Marathon alleine zu Hause in der Badewanne zu regenerieren.

Für nächstes Jahr habe ich noch keine grossen Ziele und werde diese auch nicht suchen. Ich bin sicher es werden gute Leute und Läufe kommen. Mit der richtigen Kombination daraus, wird es ein tolles Jahr geben.

Vorher muss ich nun aber meine Hausaufgaben machen. Brigitte und Anja haben mir meine Leistungsgrenzen aufgezeigt. Ich will dem Laufen mehr Raum geben und wieder ein richtiger Läufer werden. Dann klappt es auch mit den Flachstücken! 🙂

Link zur Spendenseite von Run for Hope

 

Relive ‚Run for Hope / Via Alpina‘

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