Schweiz Nord-Süd / Etappe 15 / Ciona – Chiasso

Etappe 15: Ciona – Chiasso

Datum: Fr, 9.10.20
Strecke: ca. 30 km
Marschzeit: ca. 7:05h
Teilnehmer: Martin / Silvia / David / Remo

Vorgeschichte

Eigentlich wollten wir unser „Schweiz Nord-Süd“-Projekt noch letztes Jahr abschliessen. Irgendwie war der Herbst dann aber auf einmal durch und wir hatten keine zwei Tage gefunden, um die letzten 32 Kilometer zu absolvieren. – Der Frühling 2020 kam und auf einmal war Corona im Land. Das Tessin war anfangs besonders betroffen und so war es kein Thema, dorthin wandern zu gehen. – Die Lage hat sich über den Sommer zum Glück beruhigt und da wir Ende Herbstferien ein gutes Zeitfenster sehen, wollen wir dieses nutzen, um mit der ganzen Familie gemeinsam die letzten Kilometer zu absolvieren.

Der Plan ist, am Donnerstag Abend mit dem Zug nach Lugano zu fahren und dort für zwei Nächte ein Zimmer zu beziehen. Am Freitag dann die erste Etappe zu wandern und mit dem Zug zurück nach Lugano zu fahren. Am Samstag dann den Rest zu machen und mit dem Zug ab Chiasso nach Hause zu fahren.

Die Jungs sind mässig begeistert von der Idee, schicken sich aber in die Situation. David bringt die Idee, doch einfach die ganze Wanderung an einem Tag durchzuziehen, was ich etwas ambitioniert, aber durchaus reizvoll finde.

Die Anreise nach Lugano funktioniert tiptop und wir beziehen unsere Zimmer in der Nähe des Bahnhofs. Klassisch für dieses Projekt: Unsere Unterkünfte sind immer eher von mittelklassig abwärts und es gibt immer ein Thema, welches einem den Schlaf raubt. Dieses Mal ist es für mich die Tatsache, dass Silvia und ich nur eine gemeinsame relativ schmale Decke haben, welche wir uns dann in der Nacht dauernd wegziehen.

Ciona – Chiasso

Tagwache ist vor 7:00 Uhr und nach einem Schoggi-Gipfeli am Bahnhof geht es mit Zug und Bus nach Ciona. Dort starten wir um 8:00 Uhr die heutige Wanderung. Die Strecke führt zuerst durch einen Kastanienwald rüber nach Carona. Remo hat seine klassische Krise zu Beginn und motzt ein wenig rum. Silvia und David ziehen davon und Remo und ich folgen mit etwas Abstand. Er beruhigt sich dann rasch wieder und läuft den ganzen restlichen Tag wie ein Uhrwerk.

Carona

Von Carona geht es abwärts nach Melide. Ich biete den Jungs an, das Swissminiatur zu besuchen. Das wollen sie aber nicht, denn ihr Plan ist immer noch, heute Abend fertig zu machen und heimzufahren. Silvia passt diese Idee nicht richtig, da wir ja eh die Hotelzimmer für zwei Nächte gebucht haben. Ich weise darauf hin, dass wir am Nachmittag, je nach Fortschritt, diskutieren können, ob es heute reicht oder morgen auch noch ein paar Kilometer anstehen.

Melide

Weiter geht es über den Seedamm von Melide nach Bissone. Das Wetter ist heute perfekt zum wandern: trocken, aber nicht zu heiss.

Unsere Strecke führt durch die Lücke in der Bildmitte

Nach Bissone kommt der erste Anstieg des Tages. Es geht etwa 130 Höhenmeter steil den Wald hoch auf einen Höhenweg. Hier hat David seine Tageskrise. Auch dieses ist schnell durch. Nun sind Silvia und Remo voraus und David und ich hinten.

Im eh schon wilden Wald, liegen viele Äste rum, welche wohl bei den Unwettern vor einer Woche runtergekommen sind. Auf meiner Schweizmobil-App sind teilweise Weg-Sperrungen in der Region eingezeichnet und ich hoffe, wir kommen trotzdem da durch.

Aufstieg durch wilde Wälder nach Bissone

Nach 1:45h haben wir 7.5 Kilometer geschafft und es geht in den Abstieg nach Maroggia. Die weitere Route lässt sich in der Landschaft erahnen und ganz hinten am Horizont ist ein Hügelzug zu erkennen, auf dem ich unser Ziel vermute.

Oberhalb Maroggia

Wir wandern durch eine tolle Landschaft in nächster Nähe zur Nord-Süd-Achsen Autobahn A1. Spannende Mischung. Über Maroggia geht es nach Malano und dann nochmals an die Bergflanke hoch, um rüber nach Capolago zu kommen.

Der Vormittag neigt sich dem Ende und der Wunsch nach einer WC- und Mittagspause kommt auf. Wir wollen diese beim Bahnhof Mendrisio einlegen. Bis dahin sind es aber noch ein paar Kilometer. Die Jungs ziehen körperliche und vor allem mentale Energie aus dem gelegentlichen Griff in die Süssigkeiten-Tüte. Zudem können wir eingangs Mendrisio mit 16 gewanderten Kilometern, „halbe Strecke“ feiern. Bis jetzt läuft es gut und es sieht realistisch aus, heute noch den südlichsten Punkt der Schweiz zu erreichen.

Blick auf Capolago / Riva San Vitale

Beim Bahnhof Mendrisio dann ein Dämpfer. Der Bahnhof wird umgebaut und wir entdecken auf die Schnelle weder einen offenen Kiosk, noch ein WC. Zum Glück hat es hundert Meter nebendran eine Tankstelle mit kleinem Migrolino-Laden. Die Mittagspause ist gerettet.

Nach 30 Minuten geht es weiter. Von Mendrisio rüber nach Coldrerio. Remo fragt im Viertelstundentakt, ob wir denn nun schon an der Grenze zu Italien seien. Er war noch nie in Italien und will irgendwo über die grüne Grenze hüpfen. – Eigentlich war geplant, Coldrerio zu südlich zu umgehen. Wir stehen nun aber doch vor einem gesperrten Weg und marschieren deshalb durchs Dorf. In gut 5 Stunden Marschzeit haben wir 22 Kilometer gemacht. Es ist erst 13:30 Uhr und wir haben locker Zeit, die restlichen 10 Kilometer heute noch zu machen.

Blick auf Chiasso – Wir müssen aber noch in die Hügel rechts hoch

Der Bahnhof von Chiasso liegt bereits verlockend in Sichtweite. Wir müssen aber zuerst noch zu Grenze und zum südlichsten Punkt der Schweiz. Dieser liegt in den Hügeln südlich der Stadt und dort wollen wir jetzt hin. Es geht über die Bahnlinie und unter der Autobahn durch. Anschliessend entlang einer Bauruine und durch ein Industriegebiet. Mitten in einer Diskussion über Unternehmensbewertungen und Erbvorbezüge, stehen wir dann auf einmal an einer Zollstelle.

Die Diskussion verlagert sich in den politischen Bereich mit den Themen EU-Aussengrenzen, Brexit und Zöllen. Unsere Route folgt nun ein Stück dem Grenzbach „Faloppia“.

Faloppia – Grenzbach zu Italien

Dann durchqueren wir einen letzten Weiler und es geht in den letzten Aufstieg. Von 270m steigen wir auf über 500m hoch. Nochmals eine Hauptstrasse mit einer Zollstelle. Von dort folgt der Weg der grünen Grenze und Remo nutzt eine Lücke im Grenzzaun, um einen Abstecher nach Italien zu machen.

Rechts die wirklich „grüne Grenze“ zu Italien

Nach 6:40h Marschzeit und rund 28 Tageskilometern erreichen wir dann den „Punto estremo sud della Svizzera“. Unser Projekt ist offziell abgeschlossen und wir sind am Ziel. – Zufrieden werden ein paar Selfies geschossen, bevor wir uns auf den Weg zum Bahnhof machen.

Am südlichsten Punkt der Schweiz

Wir sind genügend früh dran, dass wir es heute noch zurück nach Schöftland schaffen. Das beflügelt die Jungs, welche bereits Pläne für den Samstag schmieden. Das Timing ist dann perfekt und wir erreichen in Pedrinate einen Bus, welcher uns die letzten beiden Kilometer Wanderung bis zum Bahnhof Chiasso erspart. In Lugano holen wir unsere Sachen im Hotel, checken vorzeitig aus und sind um 20:30 Uhr zu Hause in Schöftland. Alle sind zufrieden und haben Freude an der heutigen Leistung!

Die Jungs feiern das Projektende auf ihre Art

 

Fazit

Am 3. Juni 2017 bin ich mit Silvia die erste Etappe ab Bargen (SH) marschiert. Schon auf dieser Strecke nach Schaffhausen wurde uns klar, was den Reiz des Projekts ausmacht. Wir kommen an Orten durch, welche wir sonst nicht kennenlernen würden. In einem Zeitraum von dreieinhalb Jahren, sind wir rund 87 Stunden südwärts gewandert und haben dabei etwa 370 Kilometer zurückgelegt. Es war spannend, neue Gegenden zu entdecken und mal langsam an Orten vorbeizukommen, wo man sonst nur durchrast. Obwohl die Jungs nie so begeistert von den Wandertagen waren, bin ich sicher, auch sie haben viele bleibende Erinnerungen mitgenommen. – To be continued!

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