Zürich Marathon 2013

Als ich um 5:15 Uhr aufstand, habe ich meine Idee eines „Trainingslaufs“ anlässlich des Zürich Marathon nochmals kritisch überdenkt. Bald war ich aber bereit und um 6:00 Uhr fuhr der Zug. Das Kleiderdepot habe ich dann auch ohne Probleme und rechtzeitig errreicht. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, war es mir aber gar nicht nach Kleider deponieren. Schlussendlich habe ich mich aber überwunden, den Kleidersack abgegeben und bin dann zum Start marschiert. Unterwegs noch kurz Pinkelpause, die Hoffnung, dass dies bis ins Ziel reicht, erfüllte sich später nicht.

Nach dem Start machte mir das Gedränge keinen Spass. Ich musste mich zuerst daran gewöhnen, mitten im Getümmel zu laufen. Dann ging es aber besser und ich liess meinem Drang freien Lauf, mich langsam „nach vorne zu fressen“. Der Puls war aber schon bald bei 170, obwohl ich noch ziemlich locker lief. „Wettkampf-Fieber“. Die ersten 10 km habe ich in der Region des 3:45h-Pacemaker gelaufen. Dann habe ich diesen „irrtümlich“ und ohne es zu merken überholt. Disziplinert habe ich alle 10 Minuten, 3 Schlucke Kohlenhydrate-Getränk getrunken. Nach einer Stunde habe ich mir zudem einen Energieriegel genehmigt. Soweit alles gut.

Ungefähr bei km 18, hat mich eine Läuferin gefragt, ob sie bei mir „anhängen“ dürfe und ob ich das Tempo durchhalte. Anhängen okay, Tempo durchhalten??? – Ihr Ziel war wie meines, unter 4h beim ersten Marathon. So sind wir den Halbmarathon in 1:48:26 gelaufen. Ich habe mir gedacht, viel zu schnell. Bald musste ich meine Mitläuferin ziehen lassen, weil ich doch das Gefühl hatte, es nun etwas zu übertreiben. Bei der Wende in Meilen (km 25) begann dann langsam das Leiden. Ich setzte mir das Ziel, keine Gehpause einzulegen und bis ins Ziel durchzulaufen. Dies eine Lehre aus „The Wayve“. (Natürlich ist es einfacher zu rennen, wenn einem überall Zuschauer beobachten, als in den einsamen Wäldern um Thalwil an einem September-Abend.) Ungefähr bei km 30 habe ich mir dann eine kurze Toi-Toi-Pissoir-Pinkel-Pause genehmigt. Brachte etwas Erleichterung auf der Blase, insgesamt wurde das Leiden aber nun stetig stärker.

 Bald danach wurde ich vom 3:45-Pacemaker eingeholt. Ich konnte mich in diese Gruppe integrieren und bei den Verpflegungen sogar etwas vorneweg laufen. Das klappte bis so km 38, dann wurde das Tempo verschärft und ich entschloss mich mit Rücksicht auf meinen 180er-Puls, meinen eigenen Rhythmus zu suchen. Mental ging es mir zu diesem Zeitpunkt nicht so toll und ich hinterfragte meine 100km-Biel-Idee. Es gelang mir aber, die Situation einigermassen objektiv zu betrachten: Ich hatte keine Sorgen, den Lauf nicht beenden zu können, zudem würde ich auch die Zielzeit von unter 4h locker erreichen. Die Energie war aber trotzdem ziemlich am Ende. Essen mochte ich schon lange nichts mehr und das Trinken war nun mehr nach Lust, denn nach Rhythmus. Mit Mühe konnte ich meinen km-Schnitt bei ungefähr 6 Min/km halten. Die letzten 2km waren dann einfach noch Abnützungskampf. Mit einem gequälten Lächeln lief ich dann nach 3:48:07h durchs Ziel.

Ich schnappte mir eine Flasche Mineral, eine Flasche Rivella, die Medaille und das T-Shirt. Dann suchte ich mir einen Platz zum sitzen um mich neu zu organisieren. Ich musste sehr sorgfältig sein, da ich sich nun Krämpfe ankündigten. Das Rivella war wunderbar und bald holte ich meinen Kleidersack und machte mich auf den Weg zum Bahnhof Enge, wo Silvia mit den Jungs wartete.

Fazit:
Ich kann einen Marathon unter 4h laufen. Das ist allerdings recht hart, macht aber Spass und gute Laune. Es gibt schlechtere Möglichkeiten, einen Sonntag zu verbringen.


Lessons learnt im Hinblick auf Biel:

-Die Verpflegung muss augewogener sein. Insbesondere darf ich nicht nur flüssige Nahrung zu mir nehmen, da sonst die Gefahr von Durchfall besteht. Dies ist beim Marathon kein Problem, weil es erst nachher auftritt. Beim 100km könnte es aber eines sein.

-Ich werde nicht 100km durchlaufen können. Ich muss einen Rhythmus finden, welcher mir mit Gehpausen Zeit für Erholung und Verpflegung gibt. Die Gehpause denke ich müsst 5 oder 10 Minuten sein. Der Laufteil 30 bis 50 Minuten. Das muss ich austesten.

-Der Laufrucksack hat ziemlich gescheppert, da das Handy und ein Sackmesser im selben Fach frei herumflogen. Das nervt und ist unnötig.

-Die Füsse blieben grösstenteils heil. Allerdings hatte ich 5 Blasen bei den Zehen. Eventuell sind die Socken zu eng. Ich will es mit grösseren/anderen Socken versuchen und die Zehen auch mal einzeln abtapen.

-Ich habe mich am Start durch die anderen mitreissen lassen und bin etwas schnell ins Rennen. Wichtig ist die Einstellung dass man das Rennen nur für sich läuft und niemandem etwas beweisen muss.

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