Dietiker Neujahrslauf 2016

Vorgeschichte

Letzte Woche wurde der Schweizer Laufkalender zugeschickt. Ich habe sogleich mal gecheckt, welche interessanten Läufe es in den nächsten Wochen gibt. Der Dietiker Neujahrslauf ist mir dabei ins Auge gestochen. „Leider“ war für diesen Samstag Besuch angesagt und ich habe mich deshalb nicht angemeldet. Als dann aber der Besuch im Verlauf dieser Woche auf den Sonntag verschoben wurde, hatte ich auf einmal das Zeitfenster für den Lauf wieder frei. Allerdings hatte ich ein etwas schlechtes Gewissen, den ganzen Samstag Nachmittag für nur eine Stunde „Training“ zu opfern. Betreffend Familienzeit wäre es effizienter, einfach von zu Hause ein Training zu absolvieren. Bezüglich Trainingsintensität wäre der Dietiker Neujahrslauf aber deutlich spannender. Was tun? – Nicht verzagen, Armin fragen! Mit Armin Steiner wollte ich schon länger mal einen gemeinsamen Lauf absolvieren. Da er aber leistungsmässig viel stärker ist (Marathon-Bestzeit so bei gut 2:30h), habe ich ziemlich Respekt vor einem gemeinsamen Training. Da wäre ein gemeinsames Rennen einfacher!

Nachdem ich das okay bei meiner Gattin eingeholt habe, frage ich bei Armin an. Er hat auch Lust auf den Lauf und wir fahren also gemeinsam hin. 12:45 Uhr holt er mich ab und wir machen uns auf den Weg nach Dietikon. Die Anreise verläuft ohne Probleme und ist natürlich kurzweilig. Im Wettkampfgelände benötigen wir ein wenig Zeit, bis wir uns zurechtfinden. Dann bekommen wir unsere Startnummern und finden schlussendlich auch die Garderobe. Wir haben genug Zeit, da das ganze Tagesprogramm aufgrund eines technischen Problems um 15 Minuten nach hinten verschoben wurde. Armin geht dann 50 Minuten vor dem Start zum Einlaufen. – So machen das halt die Profis! Ich drücke mir 30 Minuten vor dem Start noch einen Gel rein, gehe dann auf die Toilette und gehe dann auch noch ein paar Schritte einlaufen. Ich gehe gleich mal den höchsten Punkt der Strecke besichtigen, welcher etwa 50 Meter höher als der Start ist. Ich marschiere hoch, da sonst mein Puls schon zu hoch gehen würde. Armin kommt wir unterwegs entgegen. Er hatte also die gleiche Idee. Die Steigung flösst mir etwas Respekt ein, obwohl 50 Meter im Gegensatz zu den tausenden von Höhenmetern bei den Ultra-Trails ja nichts ist. Wenn man diese 50m-Steigung aber „hochsprintet“, fährt sie trotzdem ein.


Profil

Für die 12.1km sind zwei Runden zu absolvieren. Der erst Kilometer ist jeweils flach, dann steigt die Strecke bis zu km 3.5 an und entsprechend geht es nachher wieder runter. Mein Ziel ist eine Zeit unter 60 Minuten. Das ist sicher realistisch, wird mich aber fordern. Armin rechnet mit einer Zeit von irgendwo über 40 Minuten. Meine Taktik ist, mal kontrolliert die erste Steigung zu erklimmen, bergab dann Gas zu geben und dann auf der zweiten Runde wenn möglich noch etwas zuzusetzen. Mal sehen, wie das klappt.

Erste Runde

Ich stelle mich irgendwo in die Mitte des Starterfelds. Es starten rund 350 Läufer in den Kategorien M20, M30 und M40 miteinander. Den fast 2 Meter grosse Armin erblicke ich ganz vorne im Feld. Pünktlich um 15:00 fällt der Startschuss. Der erste Kilometer wie immer etwas mühsam, bis das Feld dem Tempo entsprechend sortiert ist. Der grösste Teil des Laufes findet auf Naturstrassen statt. Das Wetter ist ideal, da es am morgen aber stark geregnet hat, ist es ziemlich nass und dreckig. Mein Puls ist rasch in den 170er. Für mich ist das ein eher ungewohnter Bereich, diese kurzen Rennen werden aber in solchen und höheren Bereichen gelaufen. Und genau das soll mich ja schneller machen. Dann geht es bereits zum ersten mal in die Steigung. Die gesamte Steigung ist etwas „abgetreppt“ das heisst es hat immer wieder flächere Strecken drin, wo man sich etwas erholen kann. Nach der Passage eines Weihers bei Kilometer 3, kommt die recht steile Schlusssteigung. Funktioniert soweit gut und ich hänge mich an einen Läufer mit einem Finisher-Shirt des Luzern-Marathon 2013. Er hat ein gutes Tempo und ich versuche mal dranzubleiben. Der Puls ist nun in den 180er und wird auch bis Ende Lauf nicht mehr drunter fallen. Als wir oben auf dem kurzen Flachstück an der 9km-Markierung (welche für die 2. Runde gilt) vorbeilaufen, überlege ich mir eine kleine Challenge. Erstens will ich unter 45 Minuten dort ankommen. Zweitens will ich dann die letzten gut drei Kilometer (bergab + flach) in unter 13:30 Minuten laufen (4:30/km). So wäre ich in unter 58:30 im Ziel.

Unten im Tal sehe ich, dass die Spitze bereits die zweite Runde begonnen hat. Irgendwo das läuft nun Armin. Mein Luzern-Marathon-Finisher-Shirt-Pacer hat anscheinend die selbe Taktik wie ich und drückt bergab aufs Tempo. Mit den gut gedämpften Hoka-Schuhen sind die Schläge nicht so dramatisch und ich bleibe an ihm dran. Als es dann wieder aufs Flachstück geht, wird es natürlich härter. Ich konzentriere mich nur noch auf die Fersen meines Pacers. Unsere Pace liegt so bei 4:45/km oder leicht drunter. Diesen Rythmus bin ich mir nicht gewohnt und es ist deshalb etwas unangenehm. Dann passieren wir die 6km-Tafel und die zweite Runde beginnt.

Strecke

Zweite Runde

Meine Aufmerksamkeit ist immer noch auf den Schuhen meines Pacers. Komfortables Tempo ist anders, ich stelle aber fest, dass zumindest hier im Flachen alles funktioniert. Spannend wird aber der zweite Anstieg werden. Als dieser beginnt, lasse ich dann auch abreissen und suche wieder mein eigenes Tempo. Interessanterweise pendelt sich der Abstand zum Luzern-Marathon-Finisher-Shirt-Pacer bei rund 15m ein und er kommt nicht weiter weg. Vorbei an der 8km-Tafel, dann weiter zum Weiher und zum knackigen Schlussanstieg. Ich breche erfreulicherweise nicht ein und habe noch Kraftreserven für die Steigung. Sogar meinen Pacer hole ich wieder ein. Dann die 9km-Tafel. Ich drücke eine Zwischenzeit in die Stoppuhr. 43:40! Erstes Ziel (unter 45 Minuten) erreicht. (Kurzer Gedanke: Armin müsste jetzt bereits im Ziel sein. Das Leben ist so ungerecht)  Wenn ich nun auch noch die 13:30 schaffe, bin ich irgendwo bei 57 Minuten. Der Puls ist inzwischen bei über 190, zum Glück geht es nun in den Downhill.

HF

 

Mein Pacer und ich spielen etwas Katz und Maus und jagen uns gegenseitig den Berg runter. Dann wieder der Wechsel ins Flache bei Kilometer 10.5. Jetzt wird es nochmals hart. Ein Läufer mit TV Dietikon-Shirt überholt mich. Ich habe das Gefühl, ich komme an den Anschlag. Interessanterweise kann ich aber diesem Läufer anhängen und konzentriere mich wieder mal nur auf die Schuhe. Die Trinkstation lasse ich auch auf der zweiten Runde aus. Nicht notwendig bei dieser Strecke und diesen Witterungsverhältnissen (ca. 9°C). Der letzte Kilometer beginnt. Keine 5 Minuten mehr, dann ist es vorbei. Nochmals ein wenig bergab. Ich lasse es laufen und überhole meinen TV Dietikon-Pacer. Dann die zweitletzte Kurve, es geht flach wieder zurück nach Dietikon. Armin steht entspannt an der Strecke und feuert an: „Los nochmals ziehen, es wird knapp!“ – Falsche Panik Armin! Jetzt schaffe ich es auch auf allen vieren noch unter 60 Minuten ins Ziel.

Die letzte Kurve. Noch 200m leichte Steigung bis zum Zielstrich. Endspurt-Time! Ich gebe nochmals alles. Die Pulsuhr zeigt nachher einen Maximalwert von 197 Schlägen/Minute. Das ist so ziemlich mein Maximalpuls. – Die Rennuhr beim Ziel springt bereits über die 57 Minuten-Marke. Da ich nicht zuvorderst gestartet bin, werden mir noch ein paar Sekunden angerechnet. Wird es für eine 56er-Zeit reichen? – Gemäss meiner Uhr ja, mal sehen, was Datasport meint.

HF-Bereiche

Nach dem Rennen

Ich trinke zwei Becher Wasser und marschiere dann gemütlich zurück zur Garderobe. Ich habe Freude an meiner Leistung und fühle mich sehr zufrieden und glücklich. Die Taktik ist soweit aufgegangen und ich denke ich habe das Rennen gut eingeteilt. Vor der Turnhalle muss man die dreckigen Schuhe ausziehen und es wird gleich ein Sack für deren Aufbewahrung verteilt. Das ist Service. Armin ist noch nicht zurück in der Halle. Der ist beim Auslaufen. So machen das die Profis! – Als ich von der Dusche komme, ist er dann auch da. Wir holen nachher die Wertsachen ab und machen und auf den Heimweg. Im Auto dann die erste Rennauswertung auf dem Iphone. Martin mit 56:50, Rang 86 von 133 in der Kategorie M30. Armin mit 42:55 auf Rang 3!!!! – Tja, so machen das die Profis.

 
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