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SwissCity Marathon Luzern 26.10.14 / Marathon ist hart! (reloaded)

Eigentlich wollte ich gar keinen Laufbericht über diesen Marathon schreiben. Was will man denn über einen Marathon noch schreiben? – Als ich aber vor dem Start zum ersten Mal von einem anderen Läufer als Blogschreiber erkannt und angesprochen wurde, habe ich es mir anders überlegt. Irgendwie findet man auch bei einem Marathon etwas zum Schreiben.
Die Vorzeichen waren praktisch gleich wie im Vorjahr. Nach all den (Ultra-) Trailrennen wollte ich noch etwas flaches und schnelles zum Saisonabschluss laufen. Meine Marathonbestzeit wollte ich wenn möglich verbessern. Zudem war ich gespannt, wo „Schwachstellen“ im Körper stecken. Bei der Dauerbelastung eines Marathons werden einem diese jeweils viel deutlicher aufgezeigt, als bei einem abwechslungsreichen Trail-Lauf. Insgesamt hatte ich die letzten Wochen fast nichts trainiert und war mehr mit Geschäft und Familie beschäftigt. Das sind nicht gerade die besten Voraussetzungen, andererseits hatte ich wieder mal richtig Lust zum laufen!
Die Ziele konkret:
1.) In jedem Fall unter 4:00h bleiben.
2.) Geduldig beginnen. Erste Hälfte mit einem Schnitt von 5:30/km (ca. 1:56h). Zweite Hälfte etwas schneller.
Vor dem Rennen
Schon auf dem Bahnhof in Sursee wurde mir klar, dass ich wieder mal in einer richtigen Massenveranstaltung gelandet war. Das Perron und nachher der Zug voller Läufer. In Luzern dann die grosse Schlange vor dem Schiff zur Überfahrt ins Verkehrshaus. Ich bin zum ersten Mal überrascht, wie effizient die Massen abgehandelt werden. Beim Verkehrshaus habe ich Angst, dass ich die Startnummer nicht rechtzeitig bekomme, da es so viele Leute hat. Mein Kummer ist unbegründet. Mein Schalter ist leer und die Startnummernausgabe dauert nur ca. 15 Sekunden. Zum zweiten Mal schwer beeindruckt.
Auf dem Weg zur Garderobe treffe ich ein paar Bekannte und wechsle ein paar Worte. Umziehen, Wertsachen abgeben und zurück zum Startgelände. Heute nehme ich mal kein eigenes Getränk mit und will nur an den Verpflegungsposten trinken. Richtige Marathonläufer kennen das nicht anders. Als Trailrunner ist man sich gewohnt, das Getränk für zwei Stunden auf Mann zu haben. Ich stecke mir noch zwei Gels in die Hosentasche, da diese hier nur spärlich abgegeben werden. Perfektes Laufwetter. Gut 10°C Temperatur, keine direkte Sonne, aber trocken. Ich reihe mich in den Startblockmit Zielzeit unter 4:00h ein und hoffe insgeheim, dass ich es unter 3:45h schaffe.


Erste Runde
Um Punkt 9:00 Uhr startet der schnellste Block. 9:05 Uhr der zweite und dann um 9:10Uhr sind wir an der Reihe. Da gemeinsam mit dem riesen Halbmarathon-Feld gestartet wird, ist es ein ziemliches Gedränge. Zum Glück ist die Strasse breit und so funktioniert es trotz der Massen sehr gut. Ich versuche geduldig zu bleiben und mich nicht zu einem hohen Anfangstempo verleiten zu lassen. Das ist aber im Pulk verdammt schwierig. Leider zeigt meine neue Tomtom-Uhr sehr verwirrende Pace-Werte an und verliert in der Stadt teilweise den GPS-Empfang. So traue ich der Anzeige bald nicht mehr und versuche einfach gemütlich zu laufen. Ich habe das Gefühl, dies gelingt mir gut und es fühlt sich locker an.
Letztes Jahr wurde ich von den kleinen Hügeln au der Horwer Halbinsel etwas überrascht. Jetzt weiss ich, was mich erwartet und kann mich entsprechend darauf vorbereiten. Bis auf die Uhr funktioniert alles tiptop und die 10km-Marke passiere ich genau nach 55 Minuten, also genau im geplanten 5:30/km-Schnitt. Allerdings macht mich das etwas nervös, ich hätte gerne etwas Reserve. Sollte ich nicht versuchen, am Anfang, wenn es noch leicht geht, etwas schneller zu laufen? – Nein, für heute habe ich mir vorgenommen, die erste Hälfte bewusst defensiv anzugehen. In mir gibt es einen kleinen Kampf, aber ich bleibe bei meinem Vorhaben. Der Puls liegt im tiefen 160er Bereich, alles in Ordnung!
In Horw dann wieder viele Zuschauer und einiges an Stimmung. Dann geht es durch die Schrebergärten auf die Allmend und dann zurück in die Stadt. Beim Alpenquai treffen wir dann auf den Gegenverkehr des Marathons. Nun wird es psychisch schwieriger, da man realisiert, wie viel Vorsprung diese Läufer haben. Die KKL-Passage finde ich dann weniger spektakulär als letztes Jahr. Anschliessend runter in die Altstadt und wieder zurück zur Seebrücke. Von dort bis zur Wendemarke kurz vor dem Verkehrshaus ist es dann psychisch ziemlich hart. Auf der anderen Strassenseite kommen wieder die schnelleren Marathonläufer entgegen. Die mitlaufenden Halbmarathon-Läufer ziehen ihren Endspurt an und ich darf nicht mitgehen! Der Puls steigt auf rund 170 Schläge. Das ist okay, viel schneller darf ich jetzt aber noch nicht. Dann die Trennung vom Halbmarathon. U-Turn und zurück auf die zweite Runde. Jetzt ist die Strecke ziemlich leer und ich fühle mich fast etwas einsam und ausgestellt.
Die Halbmarathonmarke passiere ich nach ca. 1:54:30. Das ist eine Pace von 5:26/km. Also ziemlich genau, wie ich mir das vorgenommen hatte.


Zweite Runde
Jetzt ist es psychisch wieder einfacher. Erstens sehe ich nun, dass auf der anderen Seite immer noch Marathonläufer hinter mir laufen. Zweitens kann ich mein Tempo halten und so immer wieder zu Läufern vor mir aufschliessen und diese überholen.
Nach dem KKL kommt dann der führende Marathonläufer entgegen. Das ist beeindruckend! Ich habe erst grad die zweite Hälfte in Angriff genommen, er ist schon bald im Ziel! – Beim Alpenquai wird es dann ruhiger, es hat fast keine Zuschauer und man muss sich selber motivieren.
Die Pace-Anzeige der Tomtom zeigt immer noch Werte, welche offensichtlich falsch sind (4:44 – 5:05/km). Da bin ich enttäuscht von der Uhr. Die Pulsanzeige scheint dafür zu stimmen und bewegt sich konstant bei ungefähr 174 Schlägen/Minute. Körperlich soweit alles in Ordnung. Ich trinke bei fast jeder Verpflegungsstelle einen Becher Wasser und nehme mir auch mal ein Stück Banane. Meine beiden Gels habe ich bereits verdrückt, dort wo solche abgegeben werden, genehmige ich mir einen.
Dann kommen die Steigungen zwischen der Stadt und Kastanienbaum. Nun steigt der Puls zum ersten Mal über 180. Dort bleibt er dann auch und kommt bis zum Ende nie mehr drunter. Die Kilometer laufen heute flüssig runter. Das war auch schon anders. Bei der 30km Marke überlege ich mir, dass es nun nur noch gut 60 Minuten dauert. Bei km 32 beginne ich dann konkret zu rechnen. Es sollte eine Zeit um 3:50 möglich sein. Würde ich es drunter schaffen und allenfalls sogar persönliche Bestzeit laufen (3:48)? – Zuerst freue ich mich nun aber auf Horw. Dort hat es viele Leute, Speaker und Musik. Allenfalls sehe ich dort sogar meine Kollegin Melanie, welche in gut einer Stunde zum 5 Mile-Run (ihr erstes Rennen) starten wird. Zudem gibt es eine Verpflegungsstelle mit Energie-Gel: Was will man mehr?


Allerdings kommt nachher die Strecke über die Allmend zurück in die Stadt. Hier hat es wenig Zuschauer und Unterhaltung. Zwischendurch werde ich mal überholt, aber meistens bin immer noch ich es, welcher überholt. Am liebsten würde ich etwas marschieren. Das liegt aber heute nicht drin und es heisst einfach durchbeissen. Die psychische Erlösung kommt nach der Passage des Tunnels beim Rösslimatt-SUVA-Gebäude. Nun nochmals durchs KKL, dann runter in die Altstadt und dann die letzten zwei Kilometer zurück zum Verkehrshaus. Diese letzten beiden Kilometer sind dann ziemlich hart. Der Puls ist nun über 190. Mehr geht nicht. Langsamer will ich aber auch nicht machen, ich will nun möglichst rasch fertig sein. Dann endlich biege ich auf die Zielgerade im Verkehrshaus ein. Ich muss lachen. Es reicht genau für eine Zeit unter 3:50: 3:49:44. Dass hübsche Cheerleader vor der Ziellinie tanzen, realisiere ich erst zwei Tage später, als ich das Finisher-Video sehe.
Die Renneinteilung war wohl sehr gut und die zweite Hälfte nur Sekunden langsamer als die erste. Reserven habe ich im Ziel nicht mehr viele. Ich muss mich zuerst mal zwei Minuten hinsetzen, bevor ich mich zur Dusche aufmache. Nach dem Duschen gibt es einen Hamburger und auf dem Weg zum Finisher-Shirt-Stand, kann treffe ich noch Melanie nach ihrem ersten 5-Mile-Run. Kommentar von ihr: „Einmal und nie wieder!“ – (Dieser Kommentar wird am nächsten Tag revidiert: „Eigentlich war es schon noch cool. Nächstes Jahr könnte ich vielleicht mal den Halbmarathon probieren!“)


Am Anfang nur 833. in der Zwischenzeit. Im letzten Abschnitt dann 487. 
Lessons learned
1.) Eine gute Renneinteilung ist wichtig. Diese braucht auf der ersten Hälfte viel Geduld und Disziplin.
2.) Ein Marathon deckt die Schwachpunkte auf. Bei mir dieses Mal die schwache Rumpfstabilität. Muskulär machen mir vor allem die Rücken- und Bauchmuskeln Mühe.
3.) Ohne gezieltes Training werde ich immer bei 3:50 rumdümpeln!
4.) Marathon ist hart, macht aber trotzdem sehr viel Spass und Freude!


Nachtrag: So wird man zum/zur Läufer/Läuferin:
Melanie (drei Tage vor dem 5 Mile Run): „Ich hab so keine Lust. Ich hab mich aber angemeldet, also mach ich es.“

Melanie (direkt nach dem Zieleinlauf): „Das war hart. Einmal und nie wieder!!!!“

Melanie (ein Tag nach dem 5 Mile Run): „War schon noch cool! Also nächstes Mal probier ich vielleicht mal den Halbmarathon. – Was läuftst du als nächstes?“

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