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Etappe 3: Olten – Tiefmatt (Biwak) – Oensingen

Datum: Freitag/Samstag, 03./04. August 2018
Strecke: gut 25km
Marschzeit: ca. 7 h
Teilnehmer: Martin / Remo

 

Relive ‚Olten – Oensingen‘

Vorgeschichte

Die Karte mit der Routenplanung für diese Etappe schleppte ich schon seit letztem Herbst in meiner Mappe mit. Die Etappe ist an sich logisch, allerdings für eine Tageswanderung mit der Familie etwas lange, für ein Solo-Projekt hat es sich bis jetzt nicht ergeben. Zum Glück steht die alljährliche Übernachtungstour mit Remo an. Dafür passt die Strecke aus meiner Sicht ideal.

Mit dem Zug fahren wir um die Mittagszeit nach Olten. Es ist brutal heiss und ich mache mir etwas Sorgen, ob wir nicht zu stark leiden werden. In Aarau kaufen wir noch Flüssigkeit und etwas Essen ein.

Olten – Tiefmatt

Um 12:30 Uhr machen wir uns in Olten auf den Weg. In der Stadt ist es drückend heiss und ich bin froh, dass wir nach einer Viertelstunde bereits in den Wald kommen. Allerdings beginnt dort die erste Steigung von rund 200 Höhenmetern rauf zur Rumpelflüe. Remo hat Mühe, einen Rhythmus zu finden. Durst, heiss, Rucksack drückt, schwitzt am Rücken, wieder Durst, Hunger, …. . Andauernd bleibt er stehen und will Pause machen. Ich sehe unsere Unternehmung ernsthaft gefährdet und biete ihm mehrmals an, zurück zum Bahnhof zu marschieren. Das will er aber nicht.

Über die Aare in Olten

Mir gefällt der Weg und im Schatten ist die Hitze erträglich. Die Schweizmobil-App veranschlagt für die Strecke ca. 7.5 Stunden Wanderzeit. Ich möchte heute wenn möglich 4.5 bis 5 Studen absolvieren und dann morgen nur noch einen kurzen Rest haben. Für den heutigen Teil haben wir rund 8 Stunden Zeit zur Verfügung. Wir müssen also nicht hetzen und können auch mal eine längere Pause machen. Nachtessen möchte ich im Restaurant Blüemlismatt, oberhalb von Egerkingen, einnehmen. Wir haben nur wenig Essen dabei und wegen dem Feuerverbot können wir auch nicht bräteln oder kochen.

Um etwas Tempo reinzubringen, ködere ich Remo mit einer Glace, welche wir im Restaurant Rumpel geniessen wollen. Das funktioniert so halbwegs, es bleibt aber harzig, bis wir nach ziemlich genau einer Stunde das „Rumpel“ erreichen.

Wir setzen uns an einen schönen Schattenplatz, bestellen Eistee und Glace. Dann noch WC-Pause und Wasserflasche füllen. Nachher sind wir bereit für den nächsten Teil.

Es geht gleich nochmals 70 Höhenmeter an der prallen Sonne hoch. Die Stärkung hat Remo gut getan und er läuft nun viel konstanter. Wir singen „Chliini Händ“ vom Schellen-Ursli-Soundtrack: „Schritt für Schritt de Bärg doruf, Tritt für Tritt, lohn kein us, chunnt en Stei, stohn i druf und schrei: ich gibe sicher nid uf“. Die Steigung ist so rasch überwunden und wir kommen wieder in den Wald.

Remo möchte Süssigkeiten und ich verspreche ihm diese beim Belchentunnel. So hat er wieder ein Ziel. Wir schätzen auf der Karte die Distanz ab und ich lasse ihn verschiedene Ankunftszeiten bei unterschiedlichen Laufgeschwindigkeiten ausrechnen. Das macht ihm Spass und er vergisst sogar, dass er eigentlich immer Durst hat.

Mir gefällt die Bewegung und die Gegend. Wir sind ganz alleine unterwegs, ich denke den meisten Leuten ist es heute zu heiss zum wandern. Schon bald hören wir das Rauschen der Autos auf der A2. Von oben ist auch die Baustelle für die 3. Tunnelröhre gut sichtbar. Remo ist jetzt so in Fahrt, dass er sogar die Süssigkeiten vergessen hat und wir unsere Pause rausschieben können.

Die Pause holen wir dann an einer schattigen Waldecke nach, bevor es wieder übers offene Feld Richtung Tüfelsschlucht geht. Ich freue mich auf die Schlucht, da ich schon viel davon gehört habe, aber noch nie drin war.

Für uns ist es allerdings nur ein kurzes Gastspiel, da wir die Schlucht nur queren und uns nicht längs darin bewegen. Hier treffen wir wieder mal auf Leute (Familien), welche anscheinend etwas Abkühlung suchen. Der Bach ist allerdings praktisch ausgetrocknet und nur noch ein feines Rinnsal.

Tüfelsschlucht

Ich muss mich kurz etwas orientieren, damit wir den richtigen Weg aus der Schlucht finden und nicht auf einmal unten in Hägendorf stehen. Über eine Treppe geht es raus aus der Schlucht und in die rund 200 Höhenmeter Steigung rauf zur Santelhöhe.

Raus aus der Tüfelsschlucht

Relativ langsam aber stetig kommen wir nun voran. Remo erzählt dauernd etwas oder ist am singen. An den Rucksack hat er sich nun gewöhnt und er wundert sich, dass ich so stark schwitze an den Armen, wo er doch noch ganz trockene Arme hätte. Wir kommen an einer Gedenkstelle vorbei. 1717 mussten 9 Hägendorfer Familien nach Ungarn auswandern, 1854 128 Personen nach Amerika. Wir waren nicht immer Einwanderungsland!

Mir macht es Spass  und wir sind nun wieder völlig im Zeitplan. Angesichts der hohen Temperatur wollte ich die „Höchi Flue“ oberhalb Egerkingen eigentlich auslassen bzw. nördlich daran vorbeilaufen. Da wir nun aber eher zu früh beim Nachtessen wären, entscheide ich spontan, doch oben drüber zu marschieren.

So kommen nochmals rund 160 Höhenmeter hinzu. Remo ist jetzt aber nicht mehr zu stoppen und deshalb spielen die Höhenmeter keine Rolle. Wir geniessen beim Aussichtspunkt einen tollen Blick übers Mittelland. leider ist es zu dunstig, dass auch die Alpen sichtbar wären.

Höchi Flue (959m)

Nach dem Abstieg zur Schlosshöchi ist dann Zeit für Nachtessen. Es ist nach 17:00 Uhr, als wir uns über die tollen Juraweiden der Blüemlismatt nähern. Für mich nun die perfekte Stimmung. Tolle Aussicht in die Juralandschaft. Butterweiche Wege über die Weiden. Und die Temperaturen sind nun auch erträglich, da die Sonne ab und zu hinter ein paar Wolken in Deckung geht. Herz was willst du mehr?

Zum Restaurant Blüemlismatt müssen wir rund fünf Minuten absteigen. Ich bin dann positiv überrascht, wie schon das Restaurant gelegen ist und insbesondere auch die Umgebung gestaltet ist. Auf der Terrasse sind alle Tische weiss aufgedeckt und mit unseren Rucksäcken passen wir nicht so recht ins Bild. Der Kellner weist uns dann auch darauf hin, dass alles reserviert ist und wir allenfalls drinnen essen müssten, wenn alle Gäste schon um 18:00 Uhr auftauchen würden.

Uns egal, Hauptsache wir bekommen etwas auf den Tisch. Wir essen dann sehr fein und beschliessen, dass Dessert im nächsten Restaurant, der Tiefmatt einzunehmen, welches nur gut 30 Minuten entfernt liegt.

Restaurant Blüemlismatt

Also wieder durch die Eselweide hoch zu unserem Wanderweg und dann über die Weiden weiter Richtung Westen bzw. Tiefmatt. Ich bin wieder mal begeistert von der Juralandschaft und frage mich, wieso ich nicht öfters hierhin komme. Um 18:45 Uhr kommen wir dann beim Restaurant Tiefmatt an und werden wieder darauf hingewiesen, dass eigentlich alles reserviert ist. Ein Tischchen gibt es dann aber doch noch für uns und wir bestellen Eistee und Glace. Nach dieser letzten Stärkung sind wir bereit, um ein Nachtlager zu suchen.

Auf der Karte habe ich mir eine Waldecke angeschaut, direkt bevor es zur Roggenschnarz hochgeht. Nach wenigen Minuten haben wir diesen Platz erreicht und er passt perfekt. Es hat dort sogar eine Brätlistelle mit Tischen und Bänken. Ein Ehepaar mit seinem Hund hat sich dort bereits niedergelassen und wir gesellen uns zu ihnen. Sie teilen dann ihre Melone mit uns und so bekommen wir noch ein zweites Dessert.

Um 20:30 Uhr marschieren wir ein paar Meter hoch Richtung Roggenschnarz und setzen uns in die Wiese, um den Sonnenuntergang zu beobachten.

Als die Sonne untergegangen ist, verabschiedet sich das Ehepaar und wir machen unseren Biwakplatz bereit. Notbiwaksack auf den Boden, Matten drauf, Schlafsack drauf. Gewitter sind heute keine zu erwarten, deshalb reicht das so. Leider habe ich mich beim packen vergriffen und statt einer zweiten Matte, nur ein aufblasbares Kopfkissen erwischt. So wird die Nacht für mich etwas unbequemer.

Biwakplatz

Remo hat etwas Mühe mit einschlafen, sieht dann aber sogar eine Sternschnuppe. Ich geniesse den tollen Sternenhimmel und das Wetterleuchten von Gewittern in den Alpen. Irgendwann nach 22:00 Uhr fallen dann beiden die Augen zu.

Wir sind heute fast 5 Stunden gewandert und haben 17.5 Kilometer zurückgelegt. Morgen bleiben uns noch 8 Kilometer, welche wir in gut 2 Stunden schaffen sollten.

Tiefmatt – Oensingen

Die Nacht ist traumhaft, um draussen zu übernachten. Ich erwache ein paar Mal, da mir der Komfort der Matte fehlt. Ein leichtes Morgenrot kündigt dann einen weiteren super Sommertag an.

Der neue Tag kündigt sich an

Um 7:00 Uhr stehen wir auf und packen zusammen. Um 7:30 Uhr geht es dann weiter.

Aufstehen bei Sonnenaufgang

Es warten direkt 160 Höhenmeter Aufstieg zum Roggen auf uns. Wie gestern braucht Remo wieder etwas Zeit, bis er den Rhythmus findet. Heute macht mir das aber keine Sorgen, da wir nun genügend Zeit haben.

 

Steiler Aufstieg zur Roggenschnarz

Über den Roggen dann wieder ein traumhafter Weg. Zwar mit wenig Aussichtspunkten, dafür aber immer im Schatten und sehr ruhig.

 

Roggenflue

Wir brauchen gut eine Stunde bis zur Roggenflue. Von hier ist unser Ziel, der Bahnhof Oensingen bereits zu sehen. Allerdings trennen uns noch über 500 Höhenmeter Downhill davon. Der erste Teil ist dann etwas technisch und wir sind vorsichtig, damit es keine Stürze gibt. Nachher wird es einfacher und wir können es wieder mehr geniessen.

Schloss Neu Bechburg

Während wir gestern die Ruine Alt Bechburg gesehen haben, kommen wir heute beim Schloss Neu Bechburg vorbei. Dort nochmals eine kurze Pause, bevor wir endgültig nach Oensingen kommen.

Blick zurück mit Schloss Neu Bechburg und Roggenflue

Im Coop kaufen wir noch ein kühles Getränk und dann geht es zum Bahnhof. Nach 7:10h Wanderzeit haben wir die 25.5 Kilometer geschafft und fahren mit dem Zug zurück nach Hause.

Ausblick

Die nächste „logische“ Etappe ist von Oensingen über die Schwengimatt bis zum Weissenstein. Allerdings mit einer Wanderzeit von rund 6 Stunden, eine eher lange Familienetappe. Mal sehen, wann und wie wir diese Etappe realisieren können.

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