UTMB 2017 – Teil 5 / Nach dem Lauf und Fazit

Nach dem Lauf

Hinter der Ziellinie beim UTMB passiert nicht sehr viel. Im Prinzip wird man weggewiesen, damit es Platz gibt für die nachfolgenden Läufer. Oli nimmt mich in Empfang und gratuliert mir. Dann holen wir in der Nähe die Finisher-West ab und machen noch Erinnerungsfotos.

Die Finisher-Weste gehört mir!

Dominik stösst dazu und wir gehen das Glace essen, auf welches ich mich so gefreut habe.

Die lang ersehnte Belohnung

Danach geht es zurück aufs Hotelzimmer. Der Angeber-Facebook-Post steht an. Als ich das Iphone einschalte, welches während des Rennes im Hotelzimmer deponiert war, bin ich überwältigt. Ich habe bereits viele Gratulationen per Facebook, Mail, Whatsapp und sms erhalten. Da haben einige den Lauf zu Hause verfolgt. Ein Bild der Finisher-Weste poste ich dann aber trotzdem.

Mit Oli verabrede ich mich zum Nachtessen, irgendwann nach 17:00 Uhr. Er wird unsere Dropbags abholen. Er bringt sich in Sicherheit und ich mache mich bereit für die Dusche. Die nasse Ausrüstung wandert direkt in einen Plastiksack, damit sie bis nach Hause etwas gähren kann. Das spannendste ist natürlich das entledigen der Socken.

Es geht besser als erwartet. Die Socken selber allerdings haben Totalschaden. Beide haben sind an den Sohlen grossflächig durchgescheuert. Die Füsse sehen recht gut aus. Zehennägel sind noch alle fest, Blasen habe ich nur zwei oder drei kleine. Das Problem sind wirklich die Trocknungsrisse. Die sind zahlreich, gross und tief. Mit etwas sorgfältigerer Fusspflege vor dem Rennen wäre da wohl viel vermeidbar gewesen. – Nächstes Mal!

Ich dusche, pflege die Füsse und lege mich dann um 11:00 Uhr hin. Ich schlafe sofort ein und erwache erst vor 16:00 Uhr wieder. Draussen läuft die Siegerzeremonie, aber ich kümmere mich zuerst um mich selber. Füsse machen, essen, trinken, Social Media.

Nach 17:00 Uhr ruft Oli an und gibt mir den Treffpunkt durch. Anschliessend haben Dominik, Oli und ich einen super gemütlichen und lustigen Abend. Ich fülle meine Reservoirs mit Trockenfleischplatte, Bier, Fondue Bourguignonne, Rotwein, Desser und nochmals Bier wieder auf.

Irgendwann um 22:00 Uhr oder so geht es dann ins Bett.

Gemütlicher Abend mit Freunden

Heimreise

Ich schlafe wiederum sehr gut. Ausser an den Füssen habe ich keine Schmerzen. So um 8:00 Uhr ruft Frank Hauri an und fragt mich Sachen wegen der anstehenden Gewerbeausstellung. Ich liege noch im Bett und werde grad ein wenig aus meiner Traumwelt zurück in die Realität gerissen. Spätenstens morgen wartet wieder der Alltag.

Oli und ich packen zusammen und suchen uns dann ein Kaffee wo wir frühstücken. Dominik hat sich bereits mit dem Rennvelo auf den Weg Richtung Schweiz gemacht. Wir werden ihn in Martigny aufpicken. Der Kaffee tut gut und wir marschieren bzw. ich humple nochmals in die Stadt und gönnen uns dort noch einen Kaffee. Danach holt Oli den Bus von Dominik und holt mich mit dem Gepäck in der Stadt ab.

Auf dem Rückweg sehe ich Teile der Laufstrecke und Erinnerungen kommen auf. Insbesondere die Route bei Trient kann ich nun besser einordnen. In Martigny laden nehmen wir Dominik auf und fahren anschliessend bis Montreux, wo wir Mittagshalt machen. Eine Pizza später geht es weiter. Den Heimweg verbringe ich auf dem Rücksitz mit dem Handy. Ich geniesse die Aufmerksamkeit welche ich für meine Leistung bekomme und beantworte Gratulationen.

Um 16:00 Uhr laden wir Oli in Olten ab. Ich hoffe sein Schienbein bessert bald und er kann vielleicht schon nächstes Jahr einen neuen Versucht wagen. Dominik lässt mich um 16:30 Uhr in Aarau-West raus. Silvia und Remo holen mich ab. Ich bringe Remo zum Kindertanz und fahre ins Büro. Dort kurz Post durchsehen und die Mitarbeiter-Planung für den Dienstag anschauen. Läuft soweit alles rund und ich bin beruhigt. Gute Mitarbeiter sind Gold wert.

Dann Remo abholen und dann geht es endlich nach Hause.

Zu Hause

Ich packe gleich aus und beginne mit Wäsche waschen. Dazwischen natürlich immer mal wieder Füsse pflegen. Die Risse sind hartnäckig und behindern mich noch bis am Mittwoch beim gehen. Ansonsten bin ich wirklich erstaunt, wie wenig Beschwerden ich habe. Ich esse recht viel und bis am Donnerstag bin ich auch schnell erschöpft und lege mich über Mittag jeweils kurz hin. Die ausgelassenen Powernaps müssen halt irgendwann kompensiert werden.

Halluzinationen sehe ich die ganze Woche nicht.

Am Freitag Abend kann ich den ersten Teil des Laufberichts ins Internet stellen. Am Samstag Abend den Rest. Dank dem Laufbericht kann ich das ganze Erlebnis nochmals durcharbeiten und in Erinnerung rufen. Für mich sind die Berichte deshalb sehr wertvoll. Erfreulicherweise nutzen andere Läufer die Berichte auch zur Laufvorbereitung. Und mein Umfeld bekommt zumindest ansatzweise mit, mit was ich da meine Zeit vertreibe.

Fazit / Erkenntnisse

Für mich das faszinierendste war, wie kontrolliert ich den Lauf bewältigen konnte und wie wenig Probleme ich schlussendlich hatte. Die Füsse waren am Schluss sehr schmerzhaft. Daneben bin ich aber weder kreislaufmässig noch muskulär an die Grenzen gekommen. Irgendwie habe ich von Beginn ein sehr nachhaltiges Tempo erwischt und ich denke es war von der Rennteilung her wahrscheinlich mein bestes Rennen ever. Ich habe in keinem der Anstiege gelitten. Irgendwie war das immer Wohlfühltempo, ausser ich habe gegen Schluss bewusst forciert.

Ich war mir nicht 100% sicher, ob meine wöchentlichen drei Trainingsstunden für einen solchen Lauf genügen würden. Schlussendlich ist die Erkenntnis, für einen UTMB reicht es, für einen Zürich Marathon nicht. Mit meinem spezifischen Training wurde ich im Prinizip zum Superwanderer mit geringen Jogging-Fähigkeiten. Das funktioniert tiptop so lange es wenig „laufbare“  Strecken gibt. Auf flachen Strecken explodiere ich aber wie eine billige 1. August-Rakete.

Obwohl ich mich bereits am Montag wieder sehr gut gefühlt habe, sind die Nachwehen trotzdem fast eine Woche spürbar. Man ist schneller müde, braucht mehr Schlaf und Verpflegung. Diese Ruhe muss man sich geben können. – Aus diesem Grund bin ich nach wie vor überzeugt, dass ich 2016 mit dem Abbruch richtig entschieden habe.

Ausblick

Es muss nicht immer höher, weiter, länger sein. Und die Geschichte mit zwei Nächten am Stück durchlaufen habe ich nun ein wenig gesehen. Es bringt viel mehr Befriedigung, 4 Rennen à 40km zu finishen, als eines à 160km.

Eine Idee war es ja, nach dem UTMB aufs Mountainbike zu wechseln. Momentan werde ich wohl aber beim laufen bleiben, da es einfacher auszuüben ist.

Dieses Jahr werde ich wohl noch den Luzern Marathon machen. Mal sehen, ob ich die Ausdauer noch in Geschwindigkeit umwandeln kann.

Für nächstes Jahr steht der Trail Verbier – St. Bernard weit oben auf der Liste. Nur 111 Kilometer, diese aber sehr technisch und herausfordernd. Ein Abenteuer für so +/- 25 Stunden, welches viel Herausforderung bei überblickbarem Aufwand verspricht.

Ansonsten stehen meine Trekking-Projekte „Schweiz Nord-Süd“ und „Aarau-Genf“ zur Fortsetzung bereit. Wenn möglich will ich meine Outdoor-Aktivitäten noch stärker mit der Familie teilen.

UTMB 2017 – Teil 1: Vorgeschichte
UTMB 2017 – Teil 2: Chamonix – Lac Combal
UTMB 2017 – Teil 3: Lac Combal – La Fouly
UTMB 2017 – Teil 4: La Fouly – Chamonix
UTMB 2017 – Teil 5: Nach dem Rennen

 

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4 Kommentare zu UTMB 2017 – Teil 5 / Nach dem Lauf und Fazit

  1. Bruno Müller 12. September 2017 um 18:59 #

    Salü Martin
    Mit viel Genuss habe ich deine Berichte gelesen und konnte in schönen Erinnerungen schwelgen. Herzliche Gratulation !!!
    Auch ich bin einer von denen die dich auf LiveTrail „verfolgt“ haben 🙂 Ich habe immer auf deine Ruhepause (oder Powernap) gewartet. Als ich sah, dass du das Ding ohne Pause durchziehst hatte ich allerdings leichte Bedenken … Dann aber hast du immer mehr Gas gegeben und laufend wieder viele Ränge gutgemacht!
    Toll gemacht!!!
    Weiterhin gute Erholung und gute Zeit
    Bruno

    • Martin Hochuli 12. September 2017 um 20:24 #

      Hallo Bruno
      Danke für das Feedback. – Dieses Jahr hatte ich den Kopf frei und konnte das Ding ohne Stress beenden!

      Ich freue mich auf ein Wiedersehen bei anderer Gelegenheit!

      Herzliche Grüsse
      Martin

  2. Richi Tonolla 13. September 2017 um 8:09 #

    Respekt und herzliche Gratulation.

    Den UTMB bei den misslichen Umständen zu meistern, ist eine grossartige Sache. Und das ohne grössere Krisen. Hanuta muss ein Wundermittel sein.

    Ich konnte dein Tempo nach Les Houches nicht mehr halten. War nicht mein Tag.

    Halluzinationen in der ersten Nacht habe ich noch nie erlebt. In der zweiten Nacht sind sie Standard und ich freu mich inzwischen darauf.

    Gute Erholung
    Richi

    • Martin Hochuli 13. September 2017 um 8:12 #

      Hoi Richi

      Danke für die Gratulation. – Ich bin beim ersten Versuch ja auch nicht viel weiter als Courmayeur gekommen.

      Ich denke Du warst übertrainiert. (Neben der Tatsache, dass Du kein Hanuta dabei hattest) 🙂

      Herzliche Grüsse und bis nächstes Jahr irgendwo!
      Martin

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