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Etappe 2: Barmelweid – Froburg – Olten

Datum: Samstag/Sonntag, 27./28. Mai 2017
Strecke: knapp 15km
Marschzeit: ca. 4 h
Teilnehmer: Martin / Silvia / David / Remo

Vorgeschichte

Ideale Voraussetzungen für einen Familienausflug! Ich wollte an meinem Projekt Aarau-Genf weiterwandern und meinen Trekking-Rucksack weiter testen. Remo wollte im Zelt übernachten. Und Silvia wollte Zelt, Isomatt und Schlafsack vor ihrer Schweden-Woche testen. Also war mein Vorschlag, von der Barmelweid nach Olten zu wandern und unterwegs auf der Ruine Froburg zu übernachten.

Die ganze Familie fand das eine tolle Idee. – Die ganze Familie? – Nein, ein Mitglied namens David wollte auf keinen Fall wandern und auf keinen Fall zelten. Gut schweizerisch haben wir seine Argumente angehört („wandern macht keinen Spass und zelten noch weniger“) und ihn dann in demokratisch mit 3:1 überstimmt. Nachdem er diesen Entscheid nicht akzeptieren wollte und weiter protestiert hatte, stellten wir die Coaching-Wunderfrage: „Was müsste denn sein, dass dir dieser Ausflug Spass machen würde?“.  David forderte, das Ipad mitnehmen zu dürfen und dann die ganze Nacht gamen zu können. In Anbetracht fehlender Internet-Verbindung und Strom auf der Froburg, gingen wir auf die Forderung ein. Bedingung war, dass er das Ipad selber mittragen müsse.

Vorbereitung

Am Samstag Morgen brachten wir den Haushalt in Ordnung. Die Jungs besuchten noch die Bibliothek und wir räumten die Wohnung auf. Dann packten wir die Rucksäcke für unseren Trip. Die Herausforderung bestand darin, Zelte, Matten, Schlafsäcke, Wasser, Bekleidung, Verpflegung und ein Ipad, auf vier Rucksäcke zu verteilen. Die Jungs können „ihre“ Ausrüstung noch nicht selber tragen, Silvia hat keinen idealen Rucksack und somit wurde mein Rucksack einfach bis zum Maximum geladen. Aber der ist ja sowieso in der Testphase, deshalb passt das.

Um 12:30 gingen wir in Schöftland auf den Zug. In Aarau kauften wir noch ein paar kleine Sachen ein und nahmen dann den Bus auf die Barmelweid, wo wir kurz vor 14:00 Uhr eintrafen.  Wir schulterten die Rucksäcke und los ging es.

Start bei der Barmelweid

Barmelweid – Froburg

Es war heiss. David war mürrisch und ich kümmerte mich um ihn, damit er überhaupt lief. Nach zwei Minuten ging es dann, da hatte aber bereits Remo eine Krise. Ich sah, dass sein Rucksack wohl zu schwer gepackt war und nahm ihm Gewicht ab. So lief Remo wieder und David hatte die nächste Krise. Wir waren erst 7 Minuten von geplanten 3 Stunden unterwegs.

Ich hatte geplant auf die Geissflue aufzusteigen, die Aussicht zu geniessen und dann auf die Schafmatt abzusteigen. Silvia machte die Spitze und ich motivierte die Jungs und so haben wir die Abzweigung zur Geissflue verpasst. Ich merkte dann, dass es statt aufwärts, abwärts ging und wir auf dem falschen Weg waren. In Anbetracht der Hitze und der Motivation der Jungs, hatte ich aber nichts gegen die Abkürzung. Wir sparten Strecke und vor allem Höhenmeter, indem wir auf direktem Weg zur Schafmatt marschierten.

Schafmatt

Langsam fanden wir unseren Rhythmus und es lief runder. Ich nahm Remo noch ein wenig Gepäck ab und auch David hatte sich seinem Schicksal gefügt. Im Schatten der Wälder war es natürlich angenehmer, als an der brennenden Sonne. Insgesamt genoss ich aber einfach die tolle Juralandschaft. Silvia war auch zufrieden und meistens an der Spitze vorneweg.

Zwischendurch treffen wir andere Wanderer oder Biker. Nach anderthalb Stunden kommt uns ein Mann ziemlich gehetzt entgegen. Etwas später treffen wir seine Frau, welche alleine im Wald rastet. Ich vermute, dass er etwas verloren oder vergessen hat und deshalb zurückeilt. Remo teilt der Frau unaufgefordert und voller Freude mit, dass wir zelten gehen.

Weiter geht es über offene Weiden. Wunderschön, aber heiss. Die Jungs jammern und wollen Pause. Ich will erst im Schatten Pause machen. Silvia wartet unter einem Baum auf uns und beobachtet einen Feldhasen in der Nähe. Dieser flieht, als David motzend daherkommt. Ein wenig trinken und ein paar Gummibärchen, dann läuft es wieder wie geschmiert.

Nach rund zwei Stunden Marschzeit stehen wir vor dem letzten kurzen, aber relativ steilen Anstieg. Silvia zieht vorne weg und dreht sich nicht um. Ich kümmere mich um die Jungs, welche schon wieder Durst haben und Süssigkeiten möchten. Nur noch hier hoch, dann ist das Gröbste geschafft. Es hat ja tiptop geklappt bis hier und es ist nicht mehr weit.

Über die Juraweiden

Von hinten schliessen die Frau und der Mann vom Wald auf. Als wir den höchsten Punkt erreicht haben, überholt uns zuerst die Frau und nachher der Mann. Remo beginnt ein Gespräch mit dem Mann und dieser erzählt, dass sie jeweils mit ihren Kindern auch campen gingen. David erzählt nun, dass er gar nicht gerne wandere und campe. Es entsteht eine Diskussion und wir marschieren mit dem Mann zusammen weiter. Die Jungs sind nun auf einmal abgelenkt und marschieren wie am Schnürchen.

Weiter vorne im Schatten warten Silvia und die Frau. Wir wandern dann zu sechst weiter und unterhalten uns gut. Das Ehepaar aus dem Kanton Zürich will ebenfalls in Etappen bis nach Genf wandern. Heute wollen sie noch bis Trimbach, wo sie in einem Hotel übernachten werden. Wir marschieren am Froburg-Sendeturm vorbei und dann am Restaurant Froburg. Ralf und Doris machen dann noch einen kleinen Abstecher und begleiten uns bis zur Ruine. Nach 2:40h Wanderzeit treffen wir dort ein und verabschieden uns von den beiden.

Sendeturm Froburg

Camping auf der Froburg

Auf der Froburg sind gerade Restaurationsarbeiten im Gange. Das hat den Nachteil, dass der Fels/Aussichtpunkt gesperrt ist. Andererseits haben sich die Bauarbeiter gut eingerichtet und wir können von Tisch und Bänken profitieren, welche aufgestellt wurden. Wir machen zuerst mal ein Feuer, damit wir eine Wurst bräteln können. Die Jungs fühlen sich wohl hier bei der Ruine und beginnen gleich mit rumklettern auf den alten Gemäuern. Silvia relaxt etwas und ich brätle Würste.

Nachdem wir uns verpflegt haben, suchen wir einen guten Platz für die Zelte und stellen diese auf. David darf wählen, mit wem er im Zelt schlafen will. Er entscheidet sich für mich. Somit besetzen Remo und Silvia das andere Zelt. Während dem Zeltaufbau huscht auf einmal ein grosser Schatten vorbei. Ein Gleitschirm kratzt in der Abendthermik und kann die Froburg überhöhen. Ich freue mich am Anblick und es kommen schöne Erinnerungen an meine aktive Gleitschirmzeit hoch. Irgendwann mache ich das auch wieder!

Gleitschirm über der Froburg

Als die Zelte stehen, marschieren Remo und ich nochmals zurück zum Restaurant und holen dort Wasser, damit wir sicher bis morgen nach Olten genügend Flüssigkeit haben. Nun ist alles bereit für eine geruhsame Nachtruhe. Gerade als ich noch etwas lesen will zur Entspannung, erleben wir einen Schreckmoment. David fällt von der Baumschaukel, welche an einem Ast aufgehängt ist und schlägt mit dem Hinterkopf auf einem Stein auf. Es blutet relativ stark und im ersten Augenblick denke ich wir müssen zum Arzt mit ihm. Ich hole das Erste-Hilfe-Set im Rucksack und wir machen ihm einen kleinen Turban. Wir geben ihm das Ipad und er beruhigt sich schnell. Als er 20 Minuten darauf gespielt hat und weder Kopfweh noch Schwindel hat, sehen wir die Sache nicht mehr so dramatisch. Die Blutung hat auch gestoppt und wir haben Glück im Unglück gehabt!

Da ist es noch lustig!

Ein junges Paar und eine Familie mit älteren Kindern verbringen den Abend ebenfalls mit bräteln auf der Froburg. Der Sonnenuntergang wird dann leider von aufziehenden Schleierwolken verdeckt. Wir nehmen diesen aber trotzdem als Zeichen für die Bettzeit. Remo quasselt noch, bis es wirklich ganz dunkel ist. David schläft recht schnell ein. So schlimm kann Camping also doch nicht sein.

Friedliche Abendstimmung auf der Froburg

Um 7:30 Uhr ist Tagwache. Ich koche mir einen Kaffee auf dem Gaskocher und wir vertilgen eine Wassermelone zum Frühstück. Dann Zelte abbrechen, zusammenpacken und Marschbereitschaft erstellen.

Guten Morgen!

Froburg – Olten

Um 8:20 Uhr marschieren wir los. Es sind rund 5 Kilometer bis zum Bahnhof Olten. Heute funktioniert es von Beginn weg tiptop mit den Jungs. Es geht bergab und das macht den beiden mehr Spass als aufwärts.

Abwärts Richtung Olten

Ich bin froh, dass sowohl das Wandern, wie auch die Übernachtung im Zelt so gut geklappt haben. Ich denke das Wochenende wird für die ganze Familie ein bleibendes Erlebnis werden. Wir werden solche Ausflüge wiederholen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ausrüstungsmässig müssen wir einen grösseren und besseren Rucksack für Silvia kaufen, damit sie bequem mehr Volumen und Gewicht tragen kann.  So können wir die Jungs noch etwas entlasten bzw. vor allem mehr Verpflegung für eine längere Tour mitnehmen.

Kein Kommentar

Nach 45 Minuten sind wir unten in Trimbach und wir marschieren durch die Quartiere in Richtung Bahnhof. Am Aareufer machen wir noch eine kurze Rast, bevor unser die heutige Wanderung nach 1:15h am Bahnhof Olten zu Ende geht. Von dort geht es mit dem Zug zurück nach Hause, wo wir auspacken und nachher einen gemütlichen Nachmittag verbringen.

Wann und wie es mit dem Projekt weitergeht, ist noch nicht klar. Als nächste bietet sich die Strecke von Olten bis Balsthal oder Oensingen an. Diese könnte wiederum im ähnlichen Stil mit Zeltübernachtung absolviert werden. Zuerst wird nun über Pfingsten aber das Projekt „Schweiz Nord-Süd“ gemeinsam mit Silvia lanciert!

An der Aare in Olten

 

Blick zurück, hoch zur Froburg

 

Bild des Wochenendes

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